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Neuer Netscape-Browser – Firefox/IE-basiert?

Netscape "N" LogoNetscape ist tot, es lebe Netscape? Es scheint, als wenn bald ein totgeglaubtes Produkt wieder Schlagzeilen machen könnte: ein Dual-Browser mit dem Netscape-Logo — als Zwitter-Lösung von Mozilla Firefox und Internet Explorer. Wobei der Internet Explorer das Ganze auf Windows-Betriebssysteme einschränkt.

Obwohl die Firma Netscape seit längerem nicht mehr existiert und auch alle dort ehemals angestellten Programmierer bzw. Software-Ingenieure entlassen sind, scheint es Aktivitäten des Mutterkonzerns AOL zu geben, den Namen Netscape nochmal mit Leben füllen oder wenigstens Schlagzeilen produzieren zu wollen.

Wenige Tage nach der Veröffentlichung der Firefox-Version 1.0 gibt es erste Anhaltspunkte, dass unter der von AOL geführten Marke Netscape demnächst allen Unkenrufen zum Trotz eine Neuauflage des Web-Browsers Netscape das Licht der Welt erblicken soll. Das Veröffentlichungsdatum scheint auf 2005 festgesetzt.

Erste Blicke auf den "Prototypen" des evtl. neuen Netscape-Browsers sind auch schon zu erhaschen. Der Bericht First Look at Firefox-Based Netscape bietet erste Eindrücke und Screenshots.

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,...

Johann Wolfgang von Goethe: Faust I, V. 1112

Der in dieser Vorabversion noch "Netscape 0.5.6+" genannte Web-Browser basiert demnach auf der Version 0.93 von Firefox und bindet darüberhinaus die Trident Rendering Engine des Internet Explorers ein. Dem Benutzer unter Windows stehen somit per Tastendruck bzw. Mausklick zwei verschiedene Web-Browser unter einem Dach zur Verfügung.

Was von diesem Versuch zu halten ist, bleibt abzuwarten. Vor allem drängen sich allerlei Fragen auf: Wer steckt hinter diesem Browser, der das neue alte Netscape-Logo trägt? Wer programmiert daran derzeit, wenn die dafür ehemals vorhandenen Verantwortlichen inzwischen alle entlassen sind? Ist das ganze nur ein Marketing-Gag von AOL? Evtl. nur eine Luftblase, die die Erwartungen nicht erfüllen wird?

In der bisher zugänglichen Vorab-Version sind derzeit eine Menge Ungereimtheiten, Design-Faux-Pas und teilweise sinnfreie Features zu entdecken, die hinter dem durchdachten, klaren und strukturierten Design des Mozilla Firefox-Browsers deutlich zurückstehen. Vor allem macht der zur Auswahl stehende IE-Modus bei genauerem Nachdenken wenig Sinn, ist ein Schlag ins Gesicht aller bisheriger Netscape-Mitarbeiter und auch ein Schlag ins Gesicht von Organisationen, die sich um die Einhaltung von Web-Standards bemühen, denn der Internet Explorer in seinen bisherigen Versionen ist heutzutage ein rückständiges, fehlerbehaftetes Produkt mit weltweit allmählich abnehmender Benutzer-Akzeptanz — warum dieser Schritt zurück und dann auf diese recht holprige Weise? Warum sollte ein Benutzer dieses Dual-Web-Browsers freiwillig in den Internet Explorer-Modus wechseln wollen, wenn er in diesem eigentlich nur ein schlechteres Surf-Erlebnis erwarten kann als im leistungsfähigeren Firefox-Modus — in zunehmendem Maße wird er mit Webinhalten konfrontiert werden, die sich weitgehend an Web-Standards orientieren (werden), und außerdem darf er sich gleichzeitig mit den Sicherheits-Schwächen des Internet Explorers herumärgern? Zumal die an die Öffentlichkeit gelangte Vorab-Version dieses neuen Netscape-Browsers offenbar eine Benutzeroberfläche anbietet, welche bis dato als schnell zusammengeflickt, wenig durchdacht und teilweise benutzerverwirrend bezeichnet werden kann...

Schon einmal vor wenigen Jahren gab es eine Firma, welche einen genau solchen Dual-Web-Browser auf den Markt brachte: sie hatte ebenfalls ein großes "N" in ihrem Firmenlogo und nannte sich Neoplanet. Deren Web-Browser vereinte ebenfalls die Rendering-Engines der beiden großen Web-Browser-Hersteller Microsoft und Mozilla unter einer Oberfläche und ließ dem Anwender die Wahl, mit welcher er denn seine Webseiten darstellen lassen wollte. Neoplanet war jedoch kein Erfolg beschienen, abgesehen von wenigen interessierten Fachleuten ist er so gut wie unbekannt geblieben, sein damaliger Verbreitungsgrad dürfte marginal gewesen sein. Die Firma Neoplanet gibt es heute nicht mehr.

Man wird sehen, was aus diesem Browser-Projekt von AOL wird...

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