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W3C-Tag 2004

Wie jedes Jahr lädt das Deutsch-Österreichische Büro des World Wide Web Consortiums (W3C.DE/AT) seine Mitglieder und interessierte Fachleute im Oktober ein, um über aktuelle Themen zu berichten, die das Web voranbringen sollen und um Einblick in verschiedene Entwicklungsprozesse des W3C zu geben. Da i.d.R. auch international Verantwortliche (Working Group Leader) des W3C anwesend sind, ergeben sich für beide Seiten auf diese Weise oft wertvolle Möglichkeiten zum fachlichen Austausch und zum Feedback.

Der diesjährige W3C-Tag, zu dem ich eingeladen war, fand am 13.10.2004 im Rahmen der 3-tägigen Berliner XML-Tage an der Humboldt-Universität Berlin statt. Die Berliner XML-Tage standen dieses Jahr ganz im Zeichen von Web-Services und dem Semantischen Web. Von beiden Themen-Komplexen werden innovative Lösungen zum Beispiel für eGovernment, eLearning, eTourismus, Sicherheit und Prozessautomatisierung erwartet. Auch der am letzten Tag stattfindende W3C-Tag fügte sich hier thematisch ein. Der Schwerpunkt dieses Jahr: Das mobile Web in seinen verschiedenen Ausprägungen.

Sehr interessant und thematisch neu für mich war der Auftakt-Vortrag von Guus Schreiber, Chair of the W3C Semantic Web Best Practices and Deployment Working Group zum Thema Semantic Web: From Representations to Applications, welcher einen hochkompetenten, realistischen Überblick über die noch sehr jungen und in den Anfängen stehenden Entwicklungen der Ontology Web Language (OWL, ausgesprochen: [aul]) innerhalb des Semantischen Webs gab. Das Ontologische Web soll zusammen mit dem Semantischen Web dahin vordringen, wovon die Menschen seit Jahrzehnten träumen: der intelligenten Verknüpfung von Daten und Datenbeständen unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Bedeutung (Semantik). Intelligentes Suchen wird somit greifbar, und besonders Wissens-Archive wie Bibliotheken oder andere Archive mit großen Datenbeständen können dem Menschen dadurch neue, intelligentere Nutzungsmöglichkeiten bieten, die der menschlichen Denk- und Ausdrucksweise näher sind als alle bisher dagewesenen Mechanismen, Wissen zu archivieren, zu katalogisieren und dieses auf einfachem Wege wieder nutzbar zu machen. — Ein Unterton betreffend der auf das Ontology Web geweckten Erwartungen war schließlich: Be patient, and be realistic in choosing your targets.

Der sehr praxisbezogene Vortrag vom Vertreter des W3C-Mitglieds Daimler Chrysler Research, Ingo Melzer, zum Thema Web Services Security war von besonderem Interesse für mich.
Wesentlich hier die Rolle, die der XML-Signatur im Zusammenspiel mit abgesicherten Umgebungen zukommt, um Web Services sicher und vertrauenswürdig durchzuführen. Es gibt bisher noch wenige, die sich überhaupt so konkret am praktischen Projekt mit dem Thema sicherer Web-Services beschäftigt haben, das musste auch Ingo Melzer zugeben. Deshalb würde ich mich ganz besonders freuen, wenn das kurze Gespräch, das ich am Rande mit Ingo Melzer führen konnte, demnächst Früchte trägt und ich evtl. eine fachliche Kommentierung meiner noch in Arbeit befindlichen deutschen Übersetzung von XML-Signature Syntax and Processing erwarten kann.

Auch der anschließende Vortrag von Philipp Hoschka, W3C Deputy Director for Europe und Head of the W3C Interaction Domain (Web multimedia, Web access) zum Thema Das mobile Web war sehr interessant. Er gab einen Überblick über die derzeitigen Bestrebungen, Spracherkennung, und -verarbeitung, visuelle und haptische Darstellung von Webinhalten auf mobilen Endgeräten in konkrete Formen zu bringen. Auch hier steckt noch einiges in den Kinderschuhen und ist in Teilen noch weit von konkreten Geräten und Anwendungen entfernt, doch gerade der Erfolg von SMIL (gesprochen: [smail]) als technische Basis für das derzeit erfolgreiche MMS bei Mobiltelefonen und auch VoiceXML als technische Basis vieler bereits automatisierter Ansagedienste zeigen, dass hier ein großes Potential für zukünftige Anwendungen liegt. Das stimmt hoffnungsfroh und auch zufrieden über bisherige Erfolge.

Florian Wegschneider von der FTW Wien zeigte zum Thema Multimodality and Device Independence in Mobile Devices eine konkrete Entwicklungsumgebung für mobile Endgeräte (die Software MONA), mit welcher sich die Entwicklung von konkreten Anwendungen für PDA, Smartphone und Mobiltelefon aufspalten lässt in eine Design-Komponente und eine Code-Komponente — ähnlich, wie es bei heutigen Web-Entwicklungsumgebungen wie Macromedias Dreamweaver oder Adobes GoLive der Fall ist. Die so unterschiedlichen Endgeräte, auf der die zu entwickelnde Anwendung laufen soll, werden im Entwicklungsprozess vorerst grob eingeteilt abstrahiert und mit einem passenden generischen Template emuliert. Erst zum Schluss wird die erstellte Anwendung mit individuell vorhandenen Geräte-Profilen zusammengebracht und kann ggf. speziell auf das eine oder andere Gerät noch zugeschnitten werden. Das Ganze soll den Entwicklungsprozess sehr erleichtern helfen.

Zum gleichen Themenkomplex referierte die eingeladene Vertreterin des W3C-Mitglieds Deutsche Telekom, Christel Müller. Sie berichtete über die enge Zusammenarbeit der Deutschen Telekom mit den betreffenden Gremien des W3C im Bereich mobiler Webanwendungen und skizzierte Ein- und Ausblicke ihrer Arbeit. Ein Schwerpunkt lag auf den Schwierigkeiten, die gegeben sind durch die Vielzahl unterschiedlicher Endgeräte (Mobiltelefone, PDAs, Smartphones) und ihrer individuell zu berücksichtigen Benutzerschnittstellen.

Für mein Empfinden reichte die Qualität einzelner Vorträge leider nicht immer an das Niveau der Vorjahre heran. Auch sonst war das Treffen weniger familiär, wie ich es bisher erlebt hatte, als die Treffen am Sitz des W3C.DE bei der GMD (Schloss Birlinghoven, Sankt Augustin bei Bonn) stattgefunden hatten. Das Publikum war diesmal weniger fachlich besetzt als in den Vorjahren. Sicher hat es auch am Veranstaltungsort gelegen (Hörsäle der HU Berlin), dass diesmal kaum Vertreter aus Indutrie und Wirtschaft im Publikum vertreten waren, dafür aber überwiegend Studenten der HU Berlin.

Darüberhinaus war es trotzdem für mich am Rande eine Gelegenheit, persönliche Kontakte zu pflegen, das eine oder andere mir bekannte Gesicht mal zu wiederzusehen. Björn Höhrmann gehört dazu, den ich von früheren W3C-Treffen her kenne und dem ich mich ein wenig freundschaftlich verbunden fühle. Auch traf ich auf Johannes Koch, den ich, wie Björn, vor Jahren in der deutschen Newsgroup de.comm.infosystems.www.authoring.misc (zugehörige Website: dciwam) kennen- und beider fachl. Kenntnisse schätzen gelernt habe. Björn ist aufgrund seines herausdragenden fachl. Engagements Invited Expert in der W3C CSS Working Group und trägt außerdem seit einiger Zeit maßgeblich zum Tidy-Projekt und etwas weniger beim Validator-Projekt bei.

19:12 UTC+01:00

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